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Eine Ära geht zu Ende. – Rektorin der GHS Zülpich in den Ruhestand verabschiedet!

Mehr als zwei Jahrzehnte leitete Frau Ursula Pielen die Geschicke der Hauptschule zu deren Besten. Dabei standen die Förderung und Entwicklung der Schülerschaft wie jedes Einzelnen als zentraler Teil der Schulgemeinschaft stets im Vordergrund. Denn Schule ist nun mal kein Selbstzweck. Und ausgerechnet diese SchülerInnen konnten auf Grund der Corona-Vorschriften nur mit einer kleinen Abordnung an der Feier zugegen sein. Dafür fanden sie sich aber als Überraschungsgäste flashmobartig ein, um ihrer Schulleiterin mit einer einstudierten, rhythmischen und zu Herzen gehenden Choreographie als einem unüberhörbaren Dankeschön zu applaudieren.                                                                                               

Den geladenen Gästen aus der Spitze der Zülpicher Stadtverwaltung als Schulträger, repräsentiert durch Herrn Bürgermeister Ulf Hürtgen, der Schulverwaltung und der Schulgemeinschaft bereitete die fulminante Moderation von Herrn Britton sichtlich große Freude. In unnachahmlich souveräner Manier führte er durch das Programm und trug maßgeblich dazu bei, dass den üblichen Redebeiträgen ihre Schwere genommen wurde. Mit Musik geht dies am leichtesten und so gaben sich die sechs MitarbeiterInnen der Musikschule unter Leitung von Herrn Bernhard Vorhagen die Ehre, mit Stücken wie ‚The final countdown‘ und ‚Irish dreams‘ der Feier einen festlichen Rahmen zu verleihen. Mit wenigen einleitenden Worten erinnerte Herr Vorhagen an die Entstehung der Bläserklasse vor rund 15 Jahren. Und anders als von vielen erwartet, habe sich dieses Blasorchester an der Hauptschule nicht nur etablieren können, sondern auch ihnen als unterrichtenden Musikern das Musizieren mit diesen Kindern oftmals mehr Spaß gemacht als mit Kindern anderer Lerngruppen. Natürlich habe es auch die ein oder andere Auseinandersetzung mit einzelnen Schülern gegeben, aber das sei konstruktiv gelaufen.

In der nun folgenden Dankesrede der Schulrätin, Frau Anja Möller, betonte diese, dass es ihr „eine Ehre sei“, heute Frau Ursula Pielen für ihr Wirken die Urkunde der Bezirksregierung überreichen zu dürfen. „Sie haben Unglaubliches geleistet, die Gemeinschaftshauptschule Zülpich trägt ihre Handschrift!“ – Sie erinnerte daran, dass Frau Pielen vor mehr als 30 Jahren (als es im Kreis Euskirchen noch 14 Hauptschulen gab, von denen heute nur mehr 3 übriggeblieben sind) ihre Lehrtätigkeit hier an dieser Schule aufgenommen und von Anfang an schülerorientiert gearbeitet habe. Endlich sei sie vor mehr als 20 Jahren zunächst als Konrektorin, dann als Schulleiterin an diesen Ort zurückgekehrt. Sie habe dafür gesorgt, dass „die Elternarbeit, der gemeinsame Unterricht, die individuelle Förderung und die Inklusion, die Implementierung des Tagespraktikums, der gebundene Ganztag, die QAs und schließlich der Unterricht auf Distanz mit der notwendigen Digitalisierung an Ihrer Schule fest verankert“ seien.

Die überraschende, auch musikalisch überzeugende Gesangseinlage des Moderators, Mr. Britton, bei der so mancher ein Tränchen verdrückte, bildete die Überleitung zur Ansprache des Bürgermeisters, Ulf Hürtgen. Er hob in seiner Dankesrede an die „engagierte, allseits beliebte und kämpferische Schulleiterin, Frau Pielen“, hervor, dass sie sich „wie eine Löwin für die Belange ihrer Schule einzusetzen verstand und er, der doch als Dompteur eigentlich die Oberhand behalten sollte, meist überfordert und schließlich der Unterlegene“ gewesen sei; „nicht nur im Kampf um die eigene Mensa für die Hauptschule!“ Ihrer Hartnäckigkeit sei es zuzuschreiben, dass die Digitalisierung an dieser Schule fortschreite und die Schule so „im Sturm der Pandemie standgehalten“ habe. Er dankte der Schulgemeinschaft als Ganzer: dem Hausmeister, den Sekretärinnen, der Eltern- und Schülerschaft, den Pflegschaften, dem Kollegium, dem Förderverein und eben der Schulleiterin, die durch ihr gelungenes Miteinander diese Schule trügen. „Sie, Frau Pielen, hinterlassen eine große Lücke, die nicht so bald geschlossen werden kann. Wir werden Sie vermissen und Sie sind uns alle Zeit herzlich willkommen!“

Als die Schulpflegschaftsvorsitzende, Frau Bosse, das Wort ergriff und Frau Pielen für die fruchtbare Zusammenarbeit dankte, überreichte sie ihr für den Ruhestand ein Notfallköfferchen mit den Worten: „Liebe Frau Pielen, auf Ihrem Abschlusszeugnis würde ich Ihnen lieber schlechte als gute Noten erteilen, aber nur, damit Sie die Klasse wiederholen müssen und so länger blieben! – Aber das geht ja nicht!“ Sie verlas auch einen Brief der erkrankten Vorsitzenden des Fördervereins, Frau Claudia Weitz, die die konstruktive und vertrauensvolle Kooperation mit Frau Pielen betonte und sich dafür in warmherzigen, persönlichen Worten bei Frau Pielen bedankte.

Auch die Schulleiterin der Realschule, Frau Kehren, betrat mit ihren Kolleginnen der Städtischen Grundschulen, Frau Brigitte Zeller (GS Zülpich) und Frau Jutta Sina (GS Ülpenich) die Bühne und ergriff stellvertretend für die fünf beteiligten Schulen kurz das Wort, um sich für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Darüber hinaus bot sie einem potentiellen Nachfolger in der Hauptschulleitung ihre Unterstützung an.

Bevor die Rektorin selbst Gelegenheit erhalten sollte, das Wort an die aufmerksamen Zuhörer zu richten, bedankten sich die Schülervertreter, Fiona Küpper und Lucas Ohleff, mit einem persönlichen Geschenk der Schülerschaft bei ihrer Schulleiterin, die stets ein offenes Ohr für ihre Fragen und Wünsche, aber auch ihre Sorgen gehabt hätte. Die Erstellung eines Buches als Abschiedsgeschenk sei schwierig gewesen, weil dies vor der Schulleiterin ja als Überraschung geheim gehalten werden sollte, diese aber scheinbar allgegenwärtig war.

In ihren Abschiedsworten ließ die Schulleiterin wichtige Stationen ihres Werdegangs Revue passieren und hob hervor, dass ein Rückgang der Schülerzahlen um 80 Kinder in 20 Jahren bei der Entstehung zahlreicher neuer Schulformen in der Umgebung zu verschmerzen sei. Dass die Schule mit über 100 Partnerbetrieben auch zum Wohle der Stadt zusammenarbeite, die Berufsorientierung zum guten Ruf der Schule beitrage und dass schließlich durch die Digitalisierung das Corona-Jahr für viele SchülerInnen kein verlorenes Jahr gewesen sei. Denn mit der Aushändigung der Tabletts sowie der Errichtung einer digitalen Lernplattform sei es möglich gewesen, direkt miteinander zu kommunizieren und zu lernen. – Der ehemalige Leiter der Zülpicher Hauptschule, damals gleichzeitig strenger Mentor der Referendarin, Ursula Pielen, und nachmalige Schulamtsdirektor, Karl Schiffer, bemerkte im Gespräch, dass man als SchulleiterIn nie wisse, was einen beim Betreten der Schule morgens erwarte. Oftmals seien es schwierige Herausforderungen, die ein unmittelbares, entschlossenes Handeln erforderten und dabei Sicherheit in der Entscheidung sowie Augenmaß verlangten. Frau Pielen zeichne sich auch durch diese Fähigkeiten aus. – „Ich bin jeden Tag gerne in die Schule gefahren“, gestand dazu die scheidende Rektorin. Zweimal im vergangenen Jahrzehnt war die Qualitätsanalyse der Bezirksregierung Köln zu Gast im Hause und bescheinigte der Schule gute Ergebnisse. Dieses sei nur durch ein gutes Miteinander aller Beteiligten möglich gewesen, wofür dem Kollegium ein besonderer Dank gebühre. Unter Hinweis auf eine Geschenktafel des Kollegiums mit der Aufschrift „Gemeinschaftshauptschule Zülpich – familienfreundliches Unternehmen“ ermutigte Frau Pielen die jungen KollegInnen, den Gedanken der Gleichberechtigung durch das Überdenken klassischer Rollenverteilungen von Männern und Frauen, Müttern und Vätern im Berufsleben weiter zu gestalten. Abschließend wünschte Frau Pielen der Schulgemeinschaft eine glückliche Hand bei der Fortführung dieser Schulform, Hauptschule.

Seitens des Kollegiums dankte Frau Ariane Koch ihrer Chefin für die überwältigende Fülle an geleisteter Arbeit, die ihre Vorredner bereits beeindruckend dargelegt hatten und bat schlussendlich das Kollegium auf die Bühne, was mit dem Klassiker „Niemals geht man so ganz“  Frau Ursula Pielen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete.

Nun konnte das Büfett eröffnet werden und Petrus hatte ein Einsehen mit den Gästen, die sich gerne  draußen beim „Müffele und Süffele“ noch lange unterhielten.